Rasseportrait - Der Magyar Vizsla

Was macht ihn aus, den Vizsla? Was unterscheidet ihn von anderen Jagdhundrassen und was ist dran an den Vorurteilen?

Wenn es um Jagdhunde geht, hinkte Deutschland im 19. Jahrhundert noch weit hinter anderen Ländern her. Es gab Jagdhunde, aber eine strategisch organisierte Rassehunde-Zucht im heutigen Sinn gab es nicht. War ein Jäger von der Nasenleistung der englischen Pointer oder Setter oder vom Stöberwillen der französischen Spaniel begeistert, so verpaarte er einen von ihnen mit seiner Hündin.

In anderen Ländern sah das schon anders aus: Die Franzosen und die Spanier betrieben schon  lange eine sehr gezielte Rasse-Zucht, aus ihren Zwingern stammten fantastische Hunde. Auch England hatte in Sachen Jagdhund die „Nase vorn“ und so wurden viele Hunde aus diesen Ländern nach Deutschland verkauft.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieser „Mangel an Rasse“ zum Politikum. Auch die deutschen Jäger wollten ihren eigenen Jagdhund: passioniert, hart und scharf sollte er sein.

Man beschloss, vielseitige Jagdgebrauchshunde zu züchten: Sie sollten vorstehen und apportieren, Wildschweine aus ihren Einständen jagen, Wild aufstöbern, Schweißspuren arbeiten, kurz: Ein Hund für alles!

„Durch Leistung zum Typ“ war die Devise: Deutsch-Kurzhaar, Deutsch-Drahthaar, Deutsch-Stichelhaar....diese Rassen haben hier ihre Anfänge.

Die Auswahlkriterien für die Zucht waren hart, aber effektiv. Hunde, die nicht die geforderte Leistung brachten, wurden vom Reviergang oft gar nicht mehr mit nach Hause gebracht. Innerhalb weniger Jahrzehnte kam man aber dem Ziel vom „vielseitigen Gebrauchshund“ schon deutlich näher.

Und dann kamen die Vizsla......sie landeten in einer nach diesen Maßstäben geprägten Jagdhundewelt. Nicht dass die Hunde schlechter waren, sie waren „anders“. Ihre Rasse war älter, ihre Arbeit den Anforderungen der Jagd in der Puzsta angepasst. Und dazu kam: Sie hatten ein ganz anderes Wesen. Sie waren fröhlich, sensibel und reagierten auf lautes Herumgebrülle mit innerem Rückzug. Spott und Häme durch Mitjäger waren vorprogrammiert. Allerdings waren die Hunde intelligent, lernten schnell und hatten ausgezeichnete Anlagen, forderten von ihren Führern aber auch Einfühlungsvermögen und Geduld.

Und heute? Wie vielseitig ist er, der ungarische Vorstehhund?

Das ungarische Wort „Vizsla“ bedeutet Vogelhund. Er ist der Hund der Falkner. Sein freundliches, umgängliches Wesen war im alten Ungarn erklärtes Zuchtziel. Schärfe nicht so sehr, denn einen ständig nach dem Frettchen schielender, dem Vogel die Beute streitig machender Hund ist für einen Falkner schlicht nicht brauchbar.

Doch die Jagd hat sich verändert und aus dem ehemaligen Vogelhund ist ein für beinahe alle Jagdarten einsetzbarer Allrounder geworden. Das haben wir dem Zusammenspiel von guten Hundeführern und Züchtern zu verdanken. Gute Hundeführer ermöglichen es ihren Hunden, neue Aufgaben und Herausforderungen kennen zu lernen, an ihnen zu wachsen und neuen Aufgaben gerecht zu werden. Und gute Züchter suchen genau solche Hunde aus, um deren Eigenschaften weiter zu geben. Auch wenn sich Verhalten nicht immer direkt vererbt, die Anlage wird weitergegeben und bei richtiger Führung von Generation zu Generation gefestigt.

Von seiner Natur her ist der Vizsla ein Vorstehhund. Doch die Niederwildbesätze gehen zurück, darum setzen viele Hundeführer ihren Vizsla auch bei der Nachsuche oder auf der Jagd nach Schwarzwild ein. Natürlich ist er kein geborener Stöberhund, aber warum sollte er weniger geeignet sein als andere Vorstehhunderassen? Entscheidend ist, ihn mit Bedacht und Methodik an diese Art der Jagd heranzuführen.

Und wie ist die „Leichtführigkeit“ zu verstehen, mit der er gerne angepriesen wird? Einen angeborenen Gehorsam darf man jedenfalls nicht erwarten. Was er jedoch mitbringt, ist eine große Bereitschaft, mit seinem Führer zusammen zu arbeiten. Der Ausbilder eines Vizsla braucht Geduld, Fantasie und Konsequenz, aber keine Härte im Sinne „traditioneller“ Methoden der Jagdhundeausbildung. Wenn es gelingt, ein echtes Vertrauensverhältnis aufzubauen, wird der Hund gerne im Team arbeiten und jagen.

Der Vizsla braucht Familienanschluss, er möchte mit seinen Menschen zusammen leben und an deren Alltag teilhaben. Für eine reine Zwingerhaltung ist er nicht geeignet.

Vizsla gelten heute als eine der vielseitigsten Rassen der Welt. In Sachen „Passion“ und „Härte“ stehen sie anderen Rassen nicht nach, was die „Führigkeit“ und „Sozialverträglichkeit“ betrifft, sind sie anderen oft weit überlegen.

Die zielgerichtete Zucht in Deutschland begann im Jahr 1920, wobei der kurzhaarige ungarische Vorstehhund (UK) 1936 von der FCI anerkannt worden ist.

Der drahthaarige ungarische Vorstehhund (UD) entstand in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts aus einer Kreuzung des kurzhaarigen ungarischen Vorstehhundes (UK) mit dem drahthaarigen deutschen Vorstehhund (DD). 1966 wurde der Drahthaarvizsla von der FCI als eigenständige Rasse anerkannt.

Im Wesen, jagdlicher Veranlagung und Arbeitswillen unterscheiden sich die beiden Rassen (UK und UD) nicht.

 

Link zu: Standard F.C.I. Nr.57 Kurzhaariger Ungarischer Vorstehhund (VIZSLA)

Link zu: Standard F.C.I. Nr.239 Drahthaariger Ungarischer Vorstehhund (VIZSLA)